Kronist


Pressetext
Juni 20, 2007, 8:21
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Aktivisten manipulieren Kronen-Zeitung

In der Nacht zum Sonntag, den 6. Mai, manipulierten unbekannte Aktivisten die Sonntagsausgabe der Kronen-Zeitung. Zahlreiche Seiten wurden mit selbst gefertigten Stickern überklebt. Die Aktion richtet sich gegen die Kronen-Zeitung. Zahlreiche Leser reagierten auf die Aktion.

Es ist Samstag. Die Nacht ist bereits vorangeschritten. Eine Gruppe unbekannter Aktivisten sitzt in einem Zimmer und trifft die letzten Vorkehrungen. Sie besprechen die letzten Einzelheiten, bevor es hinaus in die Nacht geht. Sie sind ausgerüstet mit einer Tasche voller Aufkleber und Flugzettel. Vor der Tür noch ein letztes Mal inne halten und Mut zusprechen. Dann geht es los. Sie teilen sich in drei Gruppen auf und verschwinden jeder in eine andere Richtung. Sie haben die Bezirke Salzburgs für ihre Aktion unter sich aufgeteilt, um so möglichst viele Zeitungen wie möglich zu manipulieren.

Es liegt bereits Wochen zurück, dass sie diese Aktion geplant haben. Damals entstand aus einer Diskussion die Idee zu diesem Projekt. „Wir diskutierten lebhaft über die Straßenverkäufer, die Abend für Abend die Zeitungen am Straßenrand verkaufen.“ erzählt Bärbel, die 28-jährige Philosophie-Studentin der Kalle-Blomkvist-Universität in Malmö. „Wir haben uns gewundert, dass dort hauptsächlich Ausländer die Kronen-Zeitung verkaufen. Das verwunderte uns in Anbetracht der Tatsache, dass die Kronen-Zeitung eher für ihre ablehnende Haltung gegenüber Ausländern in Österreich bekannt ist. Das war für uns Anlass genug, sich näher mit dieser Zeitung zu beschäftigen.“

Es folgten Wochen, in denen sie sich ausschließlich mit der Kronen-Zeitung und deren Geschichte befassten. Sie recherchierten in der Historie der Zeitung, schauten Dokumentationen und sammelten Artikel. Das Ergebnis ihrer Recherche erschreckte die sechs: „Es ist unglaublich, welchen Einfluss die Kronen-Zeitung auf die Meinungsbildung der Leser hat,“ sagt Olaf, der zur Zeit Scherenschnitt an der Augustiner-Akademie in Rosenheim studiert. „Das schlimmste daran ist, dass sich die Kronen-Zeitung selbst nicht als Boulevardzeitung versteht, obwohl sie alle Kriterien erfüllt. Sie gleicht der Bild-Zeitung wie eineiige Zwillinge. Das war für uns der Grund, solch eine Aktion zu planen.“

Das weitere Vorgehen war schnell geplant. Sie erstellten ein Konzept, das die Kronen-Zeitung mit ihren eigenen Waffen schlagen sollte: Manipulation. Unter dem Motto „Krumm liest Done“ ließen sie Aufkleber gestalten, die genau in das Raster der Zeitung passten. Die Inhalte der Aufkleber lehnten sich zumeist an die brisanten Inhalte der Boulevardzeitung. So wurde das Titelblatt mit der Headline „Krumm liest Done (richtig gelesen: Dumm liest Krone, Anm. d. Red.)“ versehen. Darunter wurde das Logo verändert. Statt unparteiisch war darin nun verblödet zu lesen. Auch wurde ein zusätzlicher Sticker angebracht, der den Leser darauf hinwies, dass die Zeitung „Spuren von Irritation“ beinhalten könnte. Die regelmäßigen erscheinenden Reime von Wolf Martin wurden durch ein dadaistisches Gedicht ersetzt. Die „Nackate“ von Seite Sieben offenbarte ihre geheimsten Wünsche nun in einer neu gestalteten Sprechblase. In die Mitte legten sie eine Anweisung bei, wie man sie aus Flugzeugen kennt. Darauf sind Instruktionen zu finden, wie man am besten mit einer Boulevardzeitung umgehen sollte.

Die Aktion soll aber nicht alles gewesen sein. Zudem ließen die Aktivisten einen Blog anlegen, der als Diskussionsforum genutzt werden soll. Hier wird über die Aktion und ihre Intention berichtet, aber auch zum Diskutieren eingeladen. Einen Hinweis zum Blog erhielten die Leser durch einen Aufkleber, auf dem die Internetadresse stand.
Heute, drei Tage nach der Aktion sehen die sechs die Aktion als gelungen: „Wir haben acht Kommentare zu unserer Aktion erhalten. Das war mehr als wir uns erhofft hatten,“ sagt Bärbel freudestrahlend. In der Tat ist die Resonanz auf die Aktion überdurchschnittlich. So ist auch die Reaktion der Leser unterschiedlich. Die einen sind begeistert von der Aktion, während die anderen empört über den „Vandalismus“ sind. Doch für die Aktivisten hat sich die Aktion gelohnt. Olaf P.: „Uns war wichtig, dass wir auch nur einen einzigen Leser erreichen können. Von dem her ist die Aktion für uns ein voller Erfolg.“

Nun bleibt abzuwarten, welche Reaktionen noch zu erwarten sind und ob die Aktion auch der Kronen-Zeitung bekannt ist. Die sechs Aktivisten jedenfalls haben ihr Ziel erreicht. Wir dürfen gespannt sein, ob in Zukunft vielleicht auch andere zu solchen Aktionen bereit sind. Bärbel H.: „Zumindest die acht Krone-Leser, die ihren Kommentar auf dem Blog hinterließen, dürften von der Aktion berührt worden sein. Unser Ziel ist erreicht. Basta.“


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